Jeder der sich schon mal ernsthaft mit der Bild-/Fotobearbeitung beschäftigt hat wird über den Begriff „Monitorkalibrierung“ gestolpert sein. Die meisten Computerheimanwender kaufen Ihren Computer, stellen ihn auf und richten ihren Monitor nach eigenem Empfinden in Helligkeit, Kontrast und Farbe ein. Meist gibt es dann die ersten Überraschungen wenn man das über Stunden bearbeitete Bild oder Foto über den heimischen Drucker ausgibt oder die Abzüge von einem Ausbelichtungs-Service in den Händen hält. Entweder haben die Fotos einen Farbstich oder sehen fad oder viel zu dunkel aus. Das liegt im seltensten Fall am Drucker oder Entwickler der Fotos, eher sollte man hier nach den Ursachen bei den Monitoreinstellungen suchen.
Die meisten Monitore sind zu hell oder mit zu viel Kontrast eingestellt aber auch die eingestellte Farbtemperatur spielt eine Rolle. Nun gibt es zu vielen Monitoren so genannte Kalibrierungs-Tools welche einen Schritt für Schritt durch den Kalibrierungsvorgang leiten und man mit den Köpfen am Monitor Farbe, Kontrast und Helligkeit einstellt. Das habe ich anfangs auch immer so gemacht aber es war irgendwie immer ein Ratespiel mit unbefriedigenden Ergebnissen.

So schaute ich mich nach einer Möglichkeit um diesen Kalibrierungsvorgang genauer und vor allem automatisiert durch zu führen. Es gibt viele Profigeräte die aber jenseits des Hobbybudgets liegen aber auch Geräte die erschwinglich sind. Etwa im mittleren Preissegment liegt die „Spyder4“ Serie von Datacolor.

Es gibt drei Ausführungen:

Der Spyder4Express ist für den Heimanwender mit einem (1 Stk.) Monitor gedacht und wird mit eine vereinfachte Software zum Kalibrieren geliefert. Man kann nur eine Farbtemperatur von 6500 Kelvin einstellen.
Der Spyder4Pro ist für Semiprofessionelle Anwender mit einem bis mehreren Monitoren gedacht, und wird mit einer sehr Umfangreichen Software geliefert, mit der man sehr Umfangreich und genau Kalibrieren kann. Zum Beispiel wird hier auch das Raumlicht mit in die Messung einbezogen. Zusätzlich kann man ein kostenpflichtiges Update Kaufen was einem ermöglicht den Heimischen TV zu kalibrieren.
Der Spyder4Elite ist für den Professionellen Anwender gedacht und bietet zusätzlich zum Pro umfangreiche Softwareeinstellungen wie z.B. Gammakurvenkorrektur, Iterative Graubalance eine Experten-Konsole und vieles mehr.

Ich habe mich für den Spyder4Pro entschieden da ich 1. zwei Monitore Kalibrien möchte und 2. den Express schon mal hatte und dieser meinen Ansprüchen nicht ganz genüge getan hat. Davon abgesehen kostet der Pro im Schnitt nur ca. 20,- EUR mehr wie der Express, bietet aber erheblich mehr Flexibilität für den Mehrpreis. Der Elite ist zwar auch wiederum „nur“ ca. 40,- EUR teurer aber da ich keinen „Proof Monitor“ besitze bringt mir der Elite keinen großen Vorteil. Wenn dies mal der Fall sein sollte und ich mir einen solchen Monitor zulegen sollte bietet Datacolor die Möglichkeit den Pro durch ein Update zum Elite zu machen.

Kommen wir nun aber zum Gerät und schauen uns erst mal die Verpackung an. Der Pro ist in einer stabilen sehr ansehnlichen Verkaufsverpackung eingeschweiߟt, für meinen Geschmack dürfte es etwas weniger Kunststoff sein aber das liegt leider nicht in der Hand des Käufers.

 

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Dem Pro liegen eine Software-CD, eine Kurzanleitung und ein Standfuß bei. Als erstes soll man die Software installieren, ich habe aber nicht die von der CD installiert sondern die aktuelle Software von der Datacolor Seite geladen und diese auf den Computer gespielt. Nach dem das erledigt ist steckt man den Syder4Pro an einen freien USB-Platz an und öffnet die Software, es wird geprüft ob man eine Lizenz besitzt und muss evtl. eine Reg.Nr. welche man auf der CD-Hülle findet eingeben. Nun wählt man aus einem Ausklappmenü den Pro aus und kann unter Umständen noch weitere Grundeinstellungen vornehmen.

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Lieferumfang

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Der Spyder von Hinten

Mit „Weiter“ geht es in das Startmenü, hier wird man mittels Assistenten durch den Kalibrierprozess geleitet. Wenn man die Software zum ersten Mal startet muss man als Vorbereitung Hacken setzen ob z.B. der Monitor vorgewärmt ist oder dieser auf die Werkseinstellung zurückgesetzt wurde. Da ich schon einmal Kalibriert habe muss dieser Vorgang nicht noch einmal durchgeführt werden und bekommt stattdessen nur noch den Hinweis zur Beachtung. Weiter geht es mit der Auswahl des Monitortyps (LCD, CRT oder Laptop) und der Abfrage welche Bedienelemente am Monitor vorhanden sind.

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Startbildschirm der Software

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Auswahl des Monitortyp

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welche Bedienelement sind vorhanden

Bei einer Erstkalibrierung würde jetzt der Prozess beginne, wenn man schon mal kalibriert hat erschein ein Fenster in welchem man wählen kann ob man Rekalibrieren möchte – das dauert nur halb so lang wie eine Vollständige Kalibrierung – , ob man die Kalibrierung überprüfen möchte oder eine Vollständige Kalibrierung durchführen möchte.

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Wir kalibrieren mal Vollständig und kommen als nächstes zum Punkt Raumlicht- oder Umgebungslichtmessung. Dazu wird der Spyder mit Hilfe des mitgelieferten Standfuß neben den Monitor gestellt und misst das Umgebungslicht, danach bekommt man das Ergebnis ob das Licht sehr stark, stark, mittel oder dunkel ist. Je nach dem was der Fall ist bekommt man Tipps um ein optimales Arbeitslicht her zu stellen, z.B. bei sehr starkem Licht den Monitor mit einer Blende ab zu schatten.

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Raumlichtmessung

Wenn dies erledigt ist muss man den Spyder mit Hilfe des Gegengewichtes auf eine vorgegebene Position auf dem Bildschirm bringen.

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Positionsmarke

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Spyder4Pro auf dem Monitor

Nun beginnt die Kalibrierung, es werden verschiedene Farben angezeigt und der Spyder misst dies aus, bei jeder Messung blinkt kurz eine Blaue LED am Spyder auf. Nach etwa Zehn Messung hält der Prozess an und man muss die Helligkeit des Monitors evtl. manuell anpassen so dass der eingeblendete Balken im Sollbereich liegt. Nach dem das o.k. ist geht die Messung weiter, es werden verschieden helle Rot-, Grün-, Blau-, Schwarz- und Weiß Farbfelder eingeblendet, das dauert bei einer Erstkalibrierung ca. 10min.

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Anpassen der Helligkeit

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Messung der Farben

Nach dem die Kalibrierung beendet wurde kann man sich das Ergebnis anschauen und wird zum ersten Mal sehen wie „falsch“ man den eigene Monitor manuell, nach eigenem Empfinden eingestellt hatte. Ich habe meinen Monitor vor der Kalibrierung mal auf Werkseinstellungen gesetzt um euch zu zeigen wie weit das Ergebnis der Kalibrierung abweicht, man kann besonders deutlich bei den Grautönen einen Farbstich Richtung Rot-Gelb sehen.

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Ergebnis

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Vergleich vorher/nachher

Nun kann man bestimmen wann das Programm an die nächste Kalibrierung erinnern soll und speichert diese ab. Man bekommt noch einige Kurven von verschieden Farbräumen wie sRGB, NTSC und AdobeRGB gezeigt und kann diese mit dem Farbraum des eigenen Monitors vergleichen. Mit einem Klick auf  „Erweiterte Analyse“ kann man sich noch mehr Auswertungen anzeigen lassen.

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Speichern der Kalibrierdaten

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Farbraumdarstellung

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weitere Auswertungen

Immer wenn man den Computer nun startet wird nach einigen Sekunden das kalibrierte Profil geladen und der Monitor schaltet auf die ermittelten Werte um. Das gute ist das diese Daten in den Treiber der Grafikkarte geschrieben werden und so immer die richtigen Werte zur Verfügung stehen. Ein weiterer Vorteil der Spyder Software ist das man dieses Kalibrierungsprofil auch als Druck-/Farbprofil in diverse Grafik- und Fotoprogramme wie z.B. Lightroom oder Photoshop laden kann und so die Ausdrucke am heimischen Drucker denen auf dem Bildschirm sehr nahe kommen. Ich schreibe bewusst „sehr nahe“ da es von Drucker zu Drucker Unterschiede in der Zusammensetzung der Tinte und Softwaretreiber gibt, nicht zu vergessen das wir am Monitor mit RGB (Rot, Grün, Blau) arbeiten und ein Drucker mindestens CMYK (Cyan, Magenta, Yellow und den Schwarzanteil Key), modern Fotodrucker sogar mit weitere Farben wie Photomagenta, Photocyan oder zusätzlichen Grautönen arbeiten um z.B. Hauttöne besser dar zu stellen.

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Farbprofil in Adobe Lightroom laden

Fazit: NIE MEHR OHNE
Nach dem ich genug Lehrgeld in Form von weggeschmissenen Ausdrucken bezahlt habe möchte ich auf eine Kalibrierung meiner Monitore nicht mehr verzichten. Ich würde auch jedem den Datacolor Spyder4Pro ans Herz legen, da man gegenüber dem Express mit dem Pro genau und mehrere Monitore Kalibrieren kann, die 20,-EUR mehr sind gut angelegtes Geld.

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