Meinen „Do it yourself Slider“ habe ich euch ja HIER schon mal vorgestellt, dieser hat mir bis jetzt treue Dienste geleistet aber man merkt bei der Benutzung eines Gegenstandes was gut ist und was man verbessern könnte und so habe ich einige Punkte gefunden die es wert waren verbessert zu werden.

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Mein DIY-Slider

  1. Transportgewicht
  2. Transportmaße
  3. Standfestigkeit ohne Stativ
  4. Steuerung mit weiteren Extension

 

 

Zu Punkt 1 & 2:
Das Transportgewicht ist natürlich sehr entscheidend für ein Gerät welches man auch mal bei einer längeren Wanderung oder einem Gipfelaufstieg auf dem Rücken trägt. Um den Slider in Zukunft etwas leichter zu verstauen und weniger Gewicht mit mir rum zu schleppen habe ich mich entschlossen die Igus Schiene zu halbieren und „überflüssiges“ Gewicht durch abfräsen los zu werden. Da ich zu Hause leider nicht die Möglichkeit habe sehr genaue Säge-, Fräs- und Bohrarbeiten zu machen, musste ich um Hilfe bei einem Freund ersuchen. Dieser Arbeitet glücklicherweise in einer Firma die modernste CNC Technik im Inventar hat und so meine Vorstellung verwirklichen kann.

Hier mal eine grobe Zeichnung von dem was ich in Auftrag gegeben habe:

Kameraschiene (Small) (2)

Modifikationen an der Igus Schiene

Wie ihr sehen könnt habe ich Passstifte in die Führungsrohre einsetzen lass und kann den Slider so zusammenstecken und wieder in voller Länge nutzen. Zusammengehalten werden die Schienen mit einem Kistenverschluss und sind damit im Handumdrehen getrennt oder verbunden.
Als nächstes wurde aus jeder Schienenhälfte je zwei diese Rechtecke heraus gefräst und somit eine Gewichtsersparnis von 460g erreicht, vorher hat die Schiene 2290g gewogen nun nur noch 1830g, da freut sich mein Rücken 😀 .

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460g leichter wie vorher

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Verschluss

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Verbindung mit Passstiften

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Gewinde im Führungsrohr

Um den Slider im „Feld“ einfach zu montieren waren aber noch weitere Änderungen von Nöten. Der Umlaufende Zahnriemen konnte nicht bleiben da man ihn nicht von den Schien bzw. Lagerböcken des Antriebs lösen konnte. So habe ich im Internet etwas recherchiert und bin auf eine käufliche Sliderlösung gestoßen die ein Zerlegen bietet aber weit über 1000,- EUR kostet. Das war mir aber dann doch zu teuer und so habe ich diese Lösung abgewandelt, auf mein Schienensystem zugeschnitten.
Als erstes mussten die Lagerböcke ab und durch ein Riemenhaltesystem ersetzt werden. Dazu habe ich in die Enden der Schiene M6 Alu-Gewindemuttern gepresst in die ich Rändelmuttern schrauben kann.

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Alu-Gewindemuttern

Dann wurden zwei Aluwinkel mit den Maßen 30x30x4mm zugeschnitten und mit je zwei Bohrungen versehen. Um die ganze Sache etwas Formschöner zu gestalten habe ich die Seiten abgerundet.

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Sicher fragt sich der ein oder andere nun wo der Zahnriemen nun laufen soll da ja bei der „alten“ Konstruktion auf jeder Seite des Slieders eine Riemenscheibe verbaut war welche den Riemen geführt hat. Bei meinem neuen „strip down Slider“ wird der Motor nun auf dem Schlitten sitzen und nicht mehr an einem Ende der Schiene, so wird die Zerlegbarkeit erst möglich.
Zunächst brauchte ich eine Lösung den Zahnriemen auf beiden Seiten des Sliders zu fixieren und das ohne große Fummelei beim späteren Aufbau. So bediente ich mich mal wieder in meinen „Schatzkisten“ – so nenne ich meine Kisten mit Bastelresten vom Computer-/ und Modellbau – und fand einen alten Kühlkörper eines PC-Chipsatzes welcher perfekt zur Teilung des Zahnriemens passte.

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Diesen Kühlkörper habe ich in der Größe angepasst und mit je zwei 3mm Senkkopfschrauben fixiert. Auߟerdem habe ich noch zwei Gewindemuttern in jeden Aluwinkel gepresst um da später verstellbaren Füße ein zu schrauben.
Um den Zahnriemen zu halten habe ich ein 20x20x2mm U-Profiel auf Länge gebracht und mit einem M5 Gewinde versehen in welches ein Klemmhebel eingeschraubt wird. Das U-Profiel wird nun von oben über den Winkel, Zahnriemenhalter und Zahnriemen geschoben und mittels Klemmhebel fixiert.

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Um zu verhindern das ich die Klemmvorrichtung verliere habe ich wie auf dem 4. Foto zu sehen ein Sackloch in den L-Winkel gebohrt. Man braucht eigentlich nur die Klemmschraube um ca. eine Umdrehung öffnen und kann den Zahnriemen herausziehen oder einsetzen.

Zu guter letzt noch die Füße vom DIY-Slider eingeschraubt und die Kopfenden des Sliders waren fertig. Durch den nun 6cm breiteren Stand des Sliders wurde somit auch Punkt 3 meiner ToDo-Liste abgehakt.

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Nun kommen wir zu Punkt 4 „Steuerung mit weiteren Extension“.
Ich habe den Slider inkl. Merlin Motorkopf bis jetzt immer mit dem MX2 Controller von Dynamic Perception angesteuert, Nachteil war das man nur mit Schätzwerten und Erfahrung den Weg vom Slider und Motorkopf in Einklang bringt und auch dann oft daneben liegt. Schön ist wiederum das man den Slider und den Motorkopf auch getrennt steuern kann und so recht flexibel unterwegs ist.
Nun werde ich in wenigen Tagen meinen lang ersehnten eMotimo TB-3 Black Schwenk-/Neigekopf erhalten, mit welchen man den Slider ohne externen Controller ansteuern kann, da der Controller im TB-3 Kopf verbaut ist. Dieser Motorkopf bietet eine sehr ausgeklügelte Steuerung mit der man wirklich abgefahrene Kamerafahrten realisieren kann – dazu werde ich an anderer Stelle noch mal etwas schreiben. Nachteil der Kombination ist das der Motorkopf nur mit einen Schrittmotor umgehen kann, der MX2 Controller aber nicht. Also muss ich mir zu einem späteren Zeitpunkt noch mal Gedanken um ein Motorwechselsystem oder die Umrüstung des MX2 machen, das soll aber erstmal kein Thema hier sein.

Kommen wir erst mal zum Umbau auf den Schrittmotor. Ich habe ja weiter oben schon mal geschrieben das der Motor jetzt nicht mehr an einem Ende des Slider befestigt wird, sondern auf dem Schlitten. Um das zu realisieren musste ich eine neu Grundplatte für den Schlitten entwerfen, dies habe ich mit meinen laienhaften Mitteln in Photoshop gemacht.

Grundplatte SDS (Medium)

Für den interessierten „Nachbauer“ habe ich HIER eine PDF-Datei im Maßstab 1:1, damit sollte eigentlich jeder Werkzeugmacher etc. etwas anfangen können. Und hier das fertige Teil welches auch mein Kumpel für mich Angefertigt hat.

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Die neue Grundplatte und der Stepper-Motor

Diese Platte wird genau wie die Originale von Igus, mittels der 8er Schrauben auf die Gleitlager geschraubt, vorher muss natürlich der Stepper Motor mit M4 Schrauben auf die Platte geschraubt werden. Nach dem das erledigt wurde habe ich noch eine 1/4″ Senkkopfschraube in das 1/4″ Gewinde geschraubt, wo später der Kugelkopf aufgeschraubt wird.
An den Motor kommt nun das Riemenrad, dieses hatte nur eine 6mm Durchgangsbohrung welche auf 8mm aufgebohrt werden musste. Um das Riemenrad auf der Motorwelle zu fixieren habe ich seitlich ein 2,5mm Loch gebohrt, ein M3 Gewinde geschnitten und eine Madenschraube eingedreht. Da ich nur wenig Platz zwischen Schlitten und Slider hatte habe ich das Riemenrad noch etwas modifizieren müssen. Ich habe da wo normalerweise die Halteschraube eingeschraubt wird Material abgetragen und die Bohrung für die Halteschraube in die Lauffläche gebohrt. Das hat keinerlei Einfluss auf das Laufverhalten des Riemens.

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Riemenrad noch noch nicht richtig montiert

Nun kommen wir noch zu den Führungsrollen. Um den Zahnriemen auf die Riemenrolle zu führen und zu verhindern das dieser über die Zähne springt muss der Riemen geführt werden. Erst wollte ich das mit Kugellagern oder Nadellagern machen, leider habe ich keine Lager in der gewünschten Größe gefunden. So habe ich mal wieder in meinen „Schatzkisten“ gekramt und ein Reststück eines Stevenrohres inkl. Teflonrohr gefunden – da wird bei Modellbooten die Antriebswelle durchgeschoben und gleitet im Teflonrohr. Mittels zweier M5 Schafftschrauben über welche das Gleitrohr geschoben wird habe ich so zwei sehr leichtgängige Führungsrollen ohne großen Aufwand gebaut.

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Schaftschraube, Messinghülse und Teflonrohr

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fertig montiert

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fertig montiert

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Ansicht von oben

Hier könnt ihr sehen wie der Riemen verlegt wird und welche Aufgabe die Führungsrollen übernehmen. Durch die Teflonhülsen drehen sich die Messingülsen fast so leicht wie mit Kugellagern.

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Riemenführung

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Riemenführung

So, das war’s eigentlich, die Platte noch auf die Gleitlager schrauben, Zahnriemen einführen, über die Klemmvorrichtung spannen und fertig ist mein „strip down Slider“. Auf Grund dessen das der Stepper-Motor fast doppelt so schwer ist wie der zuvor verbaute Getriebemotor und die neue Grundplatte 1/3 länger ist wie die Alte habe ich nicht ganz die erhoffte Gewichts- reduzierung von 500g erreicht. Der „Alte“ DIY-Slider Brachte inkl. aller Anbauteile (auch Kugelkopf) 4200g auf die Wage, der umgebaute Slider wiegt nur noch 3800g was immerhin 400g Gewichtsersparnis bedeutet, womit ich doch sehr zufrieden bin.

Hier noch Fotos vom fertig aufgebauten System.

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Riemführung von unten

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nur 2mm Luft zwischen Schiene und Rollensystem

Leider konnte ich den Slider noch nicht testen da ich ja wie oben schon geschrieben noch auf den TB-3 warte, der hoffentlich im laufe der nächsten Woche kommen soll. Wenn der TB-3 da ist, gibt es natürlich noch den Praxistest inkl. Video für euch.

Wenn ihr Fragen habt oder evtl. jemanden braucht der euch divers Fräsarbeiten durchführen soll, meldet euch entweder hier oder per eMail bei mir, ich werde auf jeden Fall Rede und Antwort stehen. Natürlich könnt ihr euch auch über Facebook mit mir in Verbindung setzen.

Und hier reiche ich noch ein Video nach in dem ich mal den Zusammenbau des Sliders zeige.

3 Kommentare
  1. Klaus

    Hallo Sven,
    zu aller erst, vielen Dank für deine wunderbare Bauanleitung.
    Ich selbst bin erst am Anfang der Timelaps Fotografie und gerade dabei mir meinen eigenen Slider zu bauen. Deine Lösung gefällt mir bis jetzt am besten, da auch ich immer ein zerlegbares, platzsparendes System suchte. Allerdings reicht mein Budget nicht für die eMotimo Lösung. Ich fang mit dem Merlin und dem MX2 Controller an.
    Dazu hätte ich auch gleich 2-3 Fragen. Stepper Motor ist ja nicht, bekomm ich einen Gleichstrommotor so oder so ähnlich auch verbaut? Wie würdest du den Merlin auf der Grundplatte anbringen. Ich denke diesen auf einen Kugelkopf zu schrauben wird vom Gewicht her für diesen dann zu viel, oder was meinst du? Dazu kommt ja noch das Gewicht der Kamera (EOS 450d/EOS 600d /EOS 70d, Objektive usw.)Da kommt dann doch einiges zusammen. Welche Igus Schiene hast du genau verwendet? Wer macht die präzise Bohrungen und Ausschnitte? Ich glaube das bringt man (ich)selber nicht exakt genug hin.
    Die Lösung mit den kleinen Füßen finde ich Genial, woher hast du diese? Wie transportierst du das in freier Wildbahn, ich denke, für den Fotorucksack ist es doch noch immer zu groß?
    Du siehst viele Fragen, ich hoffe du kannst mir ein paar Tipps geben, Danke1
    Schöne Feiertage noch und Gruß aus Wien, Klaus

    • Hallo Klaus,
      freut mich dass ich dir beim Einstieg ins Zeitraffern helfen kann.
      Grundsätzlich würde ich sagen dass das auch mit einem Gleichstrommotor geht, ist ja nur ein anderes Bohrschema für den Motor.
      Für die Befestigung würde ich immer einen Kugelkopf nehmen, ein mittlerer hält das aus, ich habe den Triopo B-2 Kugelkopf und bin damit super zufrieden (trägt 8kg). Mit diesem kann man halt gut ausgleichen wenn du den Slider mal schräg aufstellst.
      Von Igus habe ich die WS-16-60 ungebohrt verwendet. Für die Fräßarbeiten habe ich einen Kumpel der da an Maschinen und Technik ran kommt. Meinen ersten, nicht zerlegbaren Slider habe ich selber zusammengeschraubt, aber da war noch nicht viel außer Bohren angesagt. Die Füße sind 6mm V2A Schrauben welche ich mit Gummipuffern aus der KFZ-Brange versehen habe, da kann man aber eigentlich alles nehmen. Wenn man keine Gummis hat könnte man auch schrauben spitz anschleifen so ähnlich wie hier –> (Stativspitzen)
      Für den Transport habe ich mir eine Tasche genäht die ich an meinen Rucksack hängen kann, habe allerdings auch einen der größten Fotorucksäcke die es gibt und der wiegt dann vollbeladen so um die 22kg, fast ganz unten siehst du die Tasche für den Slider. Meinen ersten Slider hatte ich hinten am Rucksack wie ein Stativ befestigt, war aber immer unbequem und bei engen Kletterpassagen stieß ich ab und an oben an.

      Im Moment baue ich an einem neuen Slider, wenn dieser fertig ist gibt es dazu auch einen Blogbeitrag, ein paar Bilder kannst du dir auf meiner Facebook-Seite anschauen.

      Grüße Sven

      PS. Wenn du weitere Fragen hast, immer her damit 😉

  2. Tim

    Wow die Idee ist super! Läuft der Slider auf die Art eigentlich ruhiger anstatt mit einem umherlaufenden Riemen? Ich habe meinen gerade fertig gebastelt und das für unter 200€. Stoße in der letzen Zeit aber Häufiger auf diese Antriebsart und überleg, Ihn direkt zu verbessern :)

    • Hallo Tim,
      „Läuft der Slider auf die Art eigentlich ruhiger anstatt mit einem umherlaufenden Riemen?“
      Also egal welche Variante ich gebaut habe meine Slider liefen eigentlich immer ruhig. Hast du den Slider mit DC-Motor oder Mit Stepper Motor gebaut? Bei Stepper kann es sein das du den Treiber Kalibrieren musst.
      Die Antriebsart/Bauweise ist eigentlich eher der Zerlegbarkeit geschuldet da das mit dem umlaufenden Riemen eher umständlich ist.

      Für unter 200 EUR ist schon wirklich gut 😉

      Grüße Sven

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